|
|
Appell an die Afghaninnen und AfghanenLiebe Afghaninnen und Afghanen außerhalb der Heimat! Die ganze Welt spricht davon, dass die Einführung von Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte in Afghanistan eine Notwendigkeit darstellt für eine friedliche und gerechte Entwicklung in Afghanistan. Aber die wahren Zustände (Machtergreifung der Warlords, Verfolgungen, Monopolisierung der Macht, Personenkult) sind sowohl den Afghanen als auch der Weltöffentlichkeit gut bekannt. So gibt es viel zu tun und es gilt, vieles zu verändern für jene Menschen, denen Afghanistan am Herzen liegt. Als Individuum ist es schwierig, für große
gesellschaftliche Veränderungen einzutreten, so muss man sich organisieren
oder sich einer vorhandenen Vereinigung anschließen. Prinzipien des politischen Handelns müssen sich einbürgern, dabei ist es von Vorteil auf bereits vorhandene Strukturen zurückzugreifen, sie zu fördern und dem Zeitgeist entsprechend anzupassen. Als Beispiel kann das Jirga-System in Afghanistan angeführt werden (das seit der Regierungszeit von Emir Sherali Khan als Instrument zwischen Volk und Staat verankert ist und noch bis heute Gültigkeit hat, siehe Loya Jirga in Kabul im Sommer 2002). Das Dilemma der Afghanen ist es, dass Parteien und Gruppierungen in Afghanistan in der Regel einen schlechten Ruf genießen, denn das afghanische Volk hat viel gelitten in den letzten 25 Jahren. In allen glücklichen Gesellschaften der Welt sind mehrere Parteien zugelassen und es herrscht politischer Pluralismus. Als ein Beispiel demokratischen Handelns innerhalb
einer Partei oder Gesellschaft kann der Mehrheitsentscheid angeführt
werden, dem man sich trotz eigener Meinung (und das ist auch gut so!)
beugen muss. Afghanen jedoch sind oft sehr eigensinnig (und leider auch
dickköpfig), so muss demokratische Betätigungsweise erlernt
werden. Deshalb soll nicht alles schwarz gemalt werden,
denn es gibt sehr viele hoffnungsvolle Ansätze. Allerdings dürfen sich politische Parteien
in naher Zukunft wieder betätigen, sobald das neue Parteiengesetz
verabschiedet ist. Auch sollen freie Wahlen durchgeführt werden
und geben der afghanischen Bevölkerung wieder Hoffnung. Endlich
dürfen die Afghanen ihre eigenen Vertreter selbst bestimmen. Es gibt viel zu tun Der Verfasser wollte nicht genannt werden The resolution of the Afghan social democratic party (Afghan Mellat) Regarding Pakistan's recent Attacks on Afghanistan's territory In the past few days, Pakistan's armed forces have conducted serious military operations in the autonomous tribal areas as well as in some areas in Afghanistan's Ningarhar and Kunar provinces. The people of Afghanistan cannot remain indifferent to these military operations. That is why we have gathered today in Kabul and resolve:
Speech of Dr. Amin Wakman in Pashto Manche
Führer fallen vom Himmel"
Karsai-Kritiker Wakman über Zufälle und politische Ethnisierung" in AfghanistanGudrun Harrer Wien - Für Mohammad Amin Wakman (62) von der Sozialdemokratischen
Partei Afghanistans war weder unter den Kommunisten noch unter den Islamisten
Platz in seiner Heimat. Die jetzige Lage Afghanistans unter der Interimsregierung
von Hamid Karsai sieht der gelernte Journalist, der soeben Exkönig Zahir
Shah in Rom besucht hat, im Gespräch mit dem standard ziemlich kritisch.
Das Bonner Petersberg-Abkommen werde nicht in letzter Konsequenz eingehalten,
beklagt er, es seien noch immer zu viele Rabbani-Leute"
unterwegs. Die ehemalige Nordallianz gebe die Macht nur zögernd ab,
und wichtige Posten seien an schmutzige Leute" gegangen.
Dass die Grenzen fließend sind, haben aber zuletzt die jüngsten Vorfälle
in Gardes klar gezeigt. Der zumindest vorübergehend vertriebene Gouverneur
Padshah Khan Zadran war zwar von Karsai eingesetzt, umso skandalöser
ist es dann aber, dass er als Mann der Regierung nicht gezögert hat,
das Zentrum der rebellischen" Stadt, die ihn nicht wollte,
erbarmungslos zusammenschießen zu lassen. Da sind sie wieder,
die alten Muster. Seinen Widersacher beschuldigt Zadran der Packelei
mit den Taliban, dabei steht dieser ebenfalls der Nordallianz nahe. Als völlig falsch in
der afghanischen Geschichte neueren Datums sieht Wakman die Ethnisierung
der Politik, die zum Missbrauch einlade, weil das Kriterium der Qualifikation
zugunsten der Stammesangehörigkeit in den Hintergrund gedrängt werde.
Dem Interimspremier Karsai steht der Sozialdemokrat höflich skeptisch
gegenüber, manche Führer werden gewählt, manche erwählt, und manche
fallen einfach vom Himmel, meint er kryptisch. Jedenfalls sei die Berufung
Karsais als Paschtunenführer etwas eher Neues, früher war er in erster
Linie ein reicher Mann, der in Quetta groß Hof hielt. Dem Versprechen
Karsais, keine politischen Ambition für die Zeit nach der Interimsregierung
zu haben, steht Wakman positiv gegenüber. Karsai ist bei weitem
nicht bei allen Exilafghanen - also solchen, die nichts mit den Taliban
zu tun hatten - unumstritten, wenig überraschend stammen sie eher aus
dem linken Lager. Karsai gilt ihnen als den Amerikanern zu offensichtlich
ergeben (was seine Haltung zu den afghanischen Häftlingen in Guantanamo
zu bestätigen scheint: Er denkt offensichtlich nicht daran, deren Rechte
gemäß dem Völkerrecht von den USA einzumahnen). Kritisiert wird außerdem,
dass er die US-Führung nicht energischer auffordert, bei ihrem Kampf
gegen verbliebene Taliban- und Al-Qa'ida-Kämpfer mehr Rücksieht auf
die Zivilbevölkerung ] zu nehmen, die Opferbilanz wird langsam peinlich.
Und so mancher Afghane macht sich lustig über das Ethnodress des bestangezogenen
Mannes der Welt", wozu der nicht uneitle Karsai jüngst von Gucci
gekürt wurde:
Usbeken-Mantel zu westlichem Anzug. Erschienen in: DER STANDARD, Österreichs unabhängige Tageszeitung, Mittwoch, 6 Februar 2002
Der Krieg beherrscht das Leben in Afghanistan schon viel zu lange. Beeinflusst durch die Medien entstand in der Öffentlichkeit der Eindruck, in Afghanistan gäbe es nur sich bekämpfenden Kommunisten und Fundamentalisten. Daher sind den Außenstehenden lediglich die Schlagworte Taleban und Nordallianz gegenwärtig. Afghanistan blickt aber auch auf eine
Periode des Aufschwungs und der Hoffnung zurück. Es gab ein zum
Teil ernanntes, und zum größeren Teil frei gewähltes Parlament. Bei den
gewählten Abgeordneten stellten die Sozialdemokraten die größte Gruppe. Es gab traditionelle Kultur, Musik und Tanz. Literatur, Film, und Theater spielten im städtischen Leben ebenso eine bedeutende Rolle. Es gab Bildung, Frauen an den Universitäten und auch am Kabinetttisch. Minirock und Schleier stellten kein Hindernis dar. Es war die gut die alte Zeit der Hippies, Entwicklungshelfern und anderer Touristen, aber nicht der Terroristen. Anfang der 70er-Jahre schon vor dem Sturz der Monarchie begann die Krise sichtbar zu werden. Sie hatte ihren Ursprung in der Rückständigkeit der afghanischen Gesellschaft, in der Unfähigkeit der herrschenden Eliten sowie in der Einmischung der Nachbarstaaten und der Großmächte, die sich dies zunutze machten. Während die Regierung immer diktatorischer wurde, verlor das afghanische Volk mehr und mehr die Gewalt über sein eigenes Geschick. Das Land wurde zum Spielball, zum Schlachtfeld des Kalten Kriegs. Mit dem kommunistischen Putsch begann auch der bewaffnete Aufstand der Bevölkerung, welcher wiederum die sowjetische Invasion nach sich zog. Damit schon begann jene unglückselige Folge von Eroberung, Plünderung und Unterdrückung. Es ist also nicht so, dass der Westen Afghanistan
aus Rache für die Anschläge in den USA mit Krieg überzogen hat. Wir wissen
wohl, dass Gruppen wie Al-Quaida nur durch den Einsatz von Gewalt von
den angekündigten Aktionen abzuhalten sind. Hier ist kein Raum für irgendwelche
Kompromisse. Und da das Taleban- Regime diesen Leuten das Land ausgeliefert,
quasi-staatliche Möglichkeiten des Handelns geboten und das eigene
Volk zur Geisel gemacht hatte, ist dessen Sturz moralisch geboten
und der Einsatz von Gewalt gerechtfertigt. Die Afghanen hatten das Regime von
Taleban und die Strukturen des Terrors aus eigner Kraft nicht abschaffen
können. Wohl aber hat die Politik des Westens, vor allem die der USA, dazu beigetragen, dass aus einem der fortschrittlichsten und aufgeschlossensten islamischen Länder ein Zufluchtsort für Terroristen werden konnte. Kampf gegen die Sowjetunion bis zum letzten Afghanen war eben kein Entwicklungsprogramm, und die ausschließliche Konzentration der militärischen und politischen Hilfe auf fundamentalistische Gruppen war auch kein Beitrag zur Volkerverständigung und Demokratisierung. Zu erwähnen ist auch die Entstehung von über 2000 sogenannten Koranschulen mit Finanzmitteln der USA und der Golfstaaten, die als Gehirnwäschezentren dienten. Sie wurden zum Fluchtort afghanischer Kinder, deren Eltern im Krieg gefallen sind und die keinen Ernährer aufweisen konnten. Diesen Schulen entwachsen immer noch eine große Zahl von Fanatikern, die der Zivilisation den Krieg erklärt haben. Diese Politik ließ die Träger demokratischer Ideen aus der afghanischen Gesellschaft verschwinden. Das heißt, sie verschwanden nicht einfach, sondern wurden wie viele unserer Mitglieder ermordet oder mussten ins Ausland fliehen. Es ist auch nicht so, dass die Unterdrückung der Frauen und das Massenelend erst mit den Taleban angefangen hat. Nachdem Dank amerikanischer Hilfe die Besatzer vertrieben wurden, putschte im April 1992 die jetzige Nordallianz, bestehend aus Kommunisten und islamischen Fundamentalisten den von UN in mühevollen Kleinarbeit entwickelten und von allen Seiten akzeptierten Friedensplan. Der UN- Plan sah friedliche Machtübertragung von den Kommunisten an eine von UN ernannte unabhängige Körperschaft (damit Bildung einer Übergangsregierung, Berufung der Loya Djirgha, freie Wahlen und Wiederaufbau) vor.
Amnesty International, UN- Menschenrechtskommission und andere Menschenrechtsorganisationen haben eindrucksvoll dokumentiert, dass während der Herrschaft der Nordallianz von 1992 bis 1996 in Kabul und danach im Norden des Landes Massenvergewaltigungen an der Tagesordnung waren. Hochschwangere Frauen wurden gezwungen, auf der Straße vor Augen zahlreicher Männer zu gebären. Menschen wurden Nägel in die Köpfe geschlagen; sie wurden massenweise in Containern gesteckt und anschließend mit Raketen beschossen. Der Begriff Tanz der Toten ist in Afghanistan in dieser Zeit entstanden. Durch Verhinderung freier Wahlen, Fortsetzung des bewaffneten
Kampfes gegeneinander, wirtschaftspolitische
Unfähigkeit, wahllose Morde, Massenvergewaltigungen, Plünderungen
übertraf die Herrschaft der Nordallianz sogar die Zustände während
der Zeit der ehemaligen Besatzer.
Diese Leute, brachten es fertig, selbst der städtischen Bevölkerung
von Kabul die Taleban zunächst als
Befreier erscheinen zu lassen. Diese erschienen als Ordnungsmacht, als Garanten der Einheit des Landes. Als erste schafften sie es, sämtliche Milizen in ihrem Machtbereich zu entwaffnen. Das war es dann leider auch schon. Bald kehrte das
neue Regime wahnhafte Züge hervor. Die Unterstützung schwand mit dem Ausbleiben
jeder Entwicklung. Die jüngsten Ereignisse könnten eine neue Chance eröffnen. Sie hätten der Beginn einer neuen politischen und wirtschaftlichen Ära sein können, die Realität sieht jedoch anders aus. Das Abkommen vom Petersberg gibt den Kräften der Nordallianz großen Spielraum und 70% der Kabinettposten wurden diesen Kräften zugesprochen. Obwohl Präsident Georg W. Bush und Premierminister Tony Blair, Präsident Chirac und auch Bundeskanzler Gerhard Schröder wiederholt den Afghanen einen demokratischen Anfang und eine Chance auf Entwicklung versprochen haben, spielen die demokratischen Kräfte Afghanistans in dem Neuanfang kaum eine Rolle. Antidemokratische Kräfte haben längst die Oberhand. Das Volk hat Angst vor dem Scheitern des Prozesses und befürchtet daher die Wiederholung der Geschichte. Obwohl wir mit den Ergebnissen von Petersberg nicht zufrieden sind und die Zusammensetzung der Regierung kritisieren, lehnen wir den eingeleiten Prozess insgesamt nicht ab. Wir unterstützen Ministerpräsident Karzai und werden dazu beitragen, dass der Neuanfang nicht scheitert. Daher plädieren wir für eine Korrektur des Prozesses. Die Bundesrepublik kann dazu beitragen. Deutschland genießt das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung, hat niemals irgend einen Konflikt mit Afghanistan gehabt und ist schon seit der Unabhängigkeit Afghanistans im Jahre 1919 und sogar davor ein zuverlässiger Partner Afghanistans gewesen. Deutschland hat einen großen Beitrag zur Modernisierung Afghanistans geleistet. Viele Afghanen haben in Deutschland studiert. Die Partnerschaften zwischen deutschen und afghanischen Universitäten trugen zur Effektivität der universitären Bildung in Afghanistan bei. Die Deutsche Schule in Kabul hat die Modernisierung und Politik des Landes enorm beeinflusst . Nach dem zweiten Weltkrieg gab es kaum eine afghanische Regierung, in der Absolventen der dieser Schule nicht vertreten waren. Das Goethe-Institut in Kabul war auch ein anziehendes Kulturzentrum und eine feine Adresse für die Freunde deutsch- afghanischer Beziehungen. Also die deutsch-afghanischen Beziehungen sind nicht belastet; sie sind historisch gewachsen und wir Sozialdemokraten haben unseren Anteil daran. Der Mitbegründer und erste Vorsitzende der afghanischen Sozialdemokratischen Partei Farhad hat in Deutschland studiert, er war mit einer Deutschen verheiratet und als erster gewählter Bürgermeister von Kabul und Präsident der afghanischen Elektrizitätsgesellschaft hat er viele deutsche Firmen motivieren können, in Afghanistan zu investieren. Mit deutscher Entwicklungshilfe wurden zahlreiche gemeinnützige Projekte realisiert. Er war einer der wichtigsten Architekten deutsch-afghanischer Freundschaft und wir wollen sein Vermächtnis fortführen. Während der sowjetischen Besatzung hat Deutschland nicht nur afghanische Flüchtlinge aufgenommen und sie auch in benachbarten Staaten unterstützt, sondern im Rahmen der UNO und anderen internationalen Organisationen sich für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmunrecht des afghanischen Volkes eingesetzt. Heute stellt Deutschland enorme Finanzmittel für humanitäre Zwecke und Aufbau bereit. Die Afghanen sind für diese Politik sehr dankbar und wissen sie zu würdigen. Das verschafft Deutschland die Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Daher unser Appell: an der Übergangsverwaltung müssen die demokratischen Kräfte im Lande und aus dem Exil beteiligt werden. Die Übermacht der antidemokratischen Kräfte muss eingeschränkt werden. Denn die Übergangsverwaltung ist schon jetzt auf dem Weg zur einer Art von der UNO legitimierter Apartheid. Alle Machtpositionen sind an Vertreter aus einem kleinen Teil des Panshir-Tals gegangen, einer Region von der Größe des Kreises Kleve mit weniger als 50.000 Einwohnern. Diese stellen nun den Verteidigungs-, Außen -, Innenminister, den Polizeichef von Kabul, den Generalstabschef der Armee, den Gouverneur der Provinz Kabul, andere Minister wie den für Luftverkehr und Tourismus, eine Funktion übrigens, für die im Moment eine Notwendigkeit nicht so ersichtlich ist. Es ist auch für die Politik des Westens in den anderen Teilen der Welt von Bedeutung, dass die Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte mit Inhalt und Leben gefüllt werden. Die Bundesregierung kann sich bei den Verbündeten dazu einsetzen, dass die UNO das Ruder in der Übergangszeit übernimmt und für eine realistische Gerechtigkeit sorgt. Denn ohne ein Mindestmaß an Gerechtigkeit kann ein moralisch so kaputtes Land nicht wieder aufgebaut und selbständig werden. Mein Appell heute: Setzen Sie sich bitte jeder persönlich
im Rahmen Ihrer Möglichkeit dafür ein, dass die Bundesregierung demokratische
Kräfte unterstützt und dafür bei ihren Verbündeten eintritt. Geben Sie
uns die Möglichkeit, unsere Position darzustellen. Unsere Partei ist die
Kraft, die immer eine politische Lösung des Konflikts um Afghanistan
gefordert hat. Die SPD hat uns dabei unterstützt, unsere Position international
zu vertreten. Hier möchte ich auf den politischen Einsatz von Willy Brandt
Hans Joachim Vogels und andere Persönlichkeiten hinweisen. Wir waren in den bewaffneten Widerstand gezwungen,
aber wir wollen Krieg und Die Afghanen wollen ihr Land aufbauen. Sie haben auch die Fähigkeiten dazu. Es wird sicher noch einige Zeit Hilfe benötigt, um auch die Fähigkeiten und neu erworbenen Kenntnisse der Exilierten dem Land (wieder) nutzbar zu machen. Aber in allen Bereichen sind schon (noch zu wenige) motivierte Menschen am Werk: engagierte Lehrer (innen), wissensdurstige Schüler (innen), verantwortungsbewusste Ärzte und Ärztinnen, auch in der Provinz, Familien, die ihre Häuser wieder aufbauen, Bauern, die versuchen, die Landwirtschaft in Gang zu setzen. Viole andere sind aber noch nicht zur Rückkehr bereit. Es geht darum, hierfür die Voraussetzungen zu schaffen. Aufgrund der Herrschaft lokaler Machthaber ist auch nicht überall Entwicklung möglich. Die Sicherheitsfrage ist ein ganz entscheidendes Thema. Wir begrüßen daher die Entsendung von Einheiten auch der Bundeswehr im Rahmen der UN-Mission. Die verlorene Zivilisation wieder zu gewinnen, brauchen wir Ihre Hilfe. Fördern Sie bitte alle Nothilfemaßnahmen zur Abwendung der humanitären Katastrophe aufgrund von Krieg, Flucht und Vertreibung sowie einer dreijährigen Dürre. Konkret möchte ich in zwei Projekten um Hilfe bitten: Ersten, das Volk ist seit 24 Jahren aus der Bildung ausgeschlossen. Den afghanischen Kindern soll die Möglichkeit gegeben werden, das Schreiben und Lesen zu lernen. Unter dem Überschrift Bildung für Afghanistan haben wir in Duisburg ein Projekt ins Leben gerufen, um in der Provinz Wardak eine Mädchenschule zu bauen und eine bereits existierende für Jungen zu unterstützen. Hierfür bitten wir um Mitarbeit und Spenden. Zweitens: Demokratie kann nicht ohne funktionsfähige
Parteien realisiert werden. Die Afghanische Sozialdemokratische Partei
will nach 29 Jahren ihre Büros in den Großstädten wiedereröffnen. Denn
ohne politische Arbeit und Aufklärung ist die Entwicklung der Demokratie
und Überwindung des Fanatismus nicht möglich. Hier bitten wir auch jeden
von Ihnen, vor allem SPD-Ortsvereine und die Mitglieder um Hilfe. Nur so sind die Wunden des Krieges und der Unterdrückung zu heilen. Ich bedanke
mich für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld. Für weitere Fragen und
Diskussion stehen wir jederzeit zur Verfügung. Herzlichen Dank.
ANTI- TERROR-ERKLÄRUNGDipl.-Sozialwirt Jamal Rahman, Vertreter der ASDPDer Kalte Krieg ist zu Ende. Während dieser Entspannungsprozess
Europa große Vorteile brachte, geht der seit nunmehr 13 Jahren fortdauernde
Krieg in Afghanistan unvermindert weiter. Frieden und Entwicklung bedingen einander jetzt die Chancen nutzen!Keine der Kriegsparteien
kann in Afghanistan auf einen endgültigen militärischen Sieg hoffen. Das
Volk ist kriegsmüde. Ohne massive ausländische Einmischung wäre dieser
Konflikt längst lösbar gewesen. Vortrag vor der außenpolitischen Arbeitsgruppe der SPE- Fraktion im Europäischen Parlament, Brüssel, den 16.10.2001(Dipl.-Sozialwirt Jamal Rahman, Vertreter der ASDP)Meine sehr geehrte Damen und Herren, ich bedanke mich für die Gelegenheit, den Afghanistan Konflikt aus unserer Sicht hier vorzutragen. Ich bedanke mich insbesondere bei Karin Junker, die diese Gelegenheit ermöglichte und uns immer nach ihrer Kräften mit Tat und rat unterstützt hat. Die furchtbaren Anschläge in den Vereinigten
Staaten haben Afghanistan wieder zum Topthema der Weltpolitik und internationaler
Berichterstattung gemacht. Afghanistans Städte und Dörfer sind Zielscheibe
der Militärangriffe der Vereinigten Staaten und Großbritannien. Obwohl
Präsident Georg W. Bush und Premierminister Tony Blair wiederholt erklärt
haben, dass sie keinen Krieg gegen das afghanische Volk führen. Die Afghanen
betrachten diese Äußerungen als ernst und glaubwürdig. Die Realität lehrt
sie jedoch, dass erneut Hunderte von unschuldigen Zivilisten ihr Leben
verlieren , ganze Dörfer und Stadtteile dem Erdboden gleich gemacht werden
und die ohne hin zerstörte Infrastruktur des Landes wird völlig vernichtet
wird. Obwohl unbestritten die Politik der Taliban für die gegenwärtige Situation verantwortlich ist, liegen die Ursachen für die Gesamtentwicklung in der westlichen vor allem US-amerikanischen Politik gegen über Afghanistan. In den 80ger Jahren förderte man mit Milliardenbeträgen und Lieferungen von großen Mengen von Waffen die Islamisten als Antwort auf die sowjetische Expansion. Die Führer der Islamisten wurden zu gerngesehnen Gäste in den wichtigen Zentren der freien Welt. Gleichzeitig entstanden in den Grenzgebieten
zu Afghanistan mit Finanzmittel der USA und Golfstaaten über 2000 so genannter
Koranschulen, die als Gehirnwäschezentren dienten. Sie wurden zum Fluchtort
afghanischer Kinder, deren Eltern im Krieg gefallen sind und Keinen Ernährer
aufweisen konnten. Diesen Schulen entwachsen immer noch eine große Zahl
von Fanatiker, die nun das Afghanische Volk gefangen halten und der Zivilisation
den Krieg erklärt haben. Der moderne Terrorismus entstammt nicht afghanischer Wurzel. Der ehemalige US-Verbündete Osama bin Laden kam schon vor der Machteroberung durch die Taliban ins Land, keineswegs auf Einladung der afghanischen Bevölkerung, die jetzt dafür bezahlen muss, sondern mit Hilfe der Helden der Presse um Rabbani & Co. Das Chartern einer Sondermaschine, um diesen früheren Unterstützer des Kampfes gegen die Sowjetunion aus dem Sudan einzufliegen ist hierfür lediglich ein Beispiel. Obwohl ihm Koordination und Finanzierung der terroristischen Aktivitäten vorgeworfen wurden, ließ man von einer konsequenten Beobachtung ab und verhinderte bewusst damit die Unterbindung seiner Aktivitäten. Nun ist er in Afghanistan eine Art Besatzungsmacht geworden. Einen fundamentalen Fehler stellt das
Aufrüsten und Aufwerten der Nordallianz dar. Der Schulterschluss mit Nordallianz
eine politische Lösung herbeizuführen, vermindert die Glaubwürdigkeit
des Westens im Land Frieden, Menschenrechte und Demokratisierung realisieren
zu wollen. Vielmehr wird dem Land seiner Bevölkerung und der afghanischen
Gesellschaft mehr Schaden zufügen mit dem Ergebnis eine neue Phase des
Bürgerkrieges einzuleiten. Denn diese Allianz hat bereits von 1992 bis
1996 bewiesen, dass sie keiner dieser Prinzipien treu ist. Erwähnenswert
ist hierbei, der von der Allianz 1992 geputschte Friedensplan, welchen
in mühvollen Kleinarbeit von der UN erarbeiteten und von allen Seiten
akzeptiert wurde. Ferner hat diese Allianz von 1992- 1996 alle nationale und internationale Bemühungen für politische Lösungen sabotiert. Was Respekt vor den Menschenrecht und Stellung der Frauen betrifft: eine kurzer Blick in die Berichte von Amnesty international und der UN Menschenrechtkommission würde reichen, um den Umfang der Menschenrechtsverletzung und Grausamkeit dieser Allianz zu entlarven. Die Herrschaft der Nordallianz breitete den Weg zur rasanten Eroberungen der macht durch die Taleban. Die Ankunft der Taliban in den Städten bedeutete zunächst die Entwaffnung aller Milizen und Banden und damit das Ende willkürlicher Morde, Plünderungen und Zerstörungen sowie massenhafter Vergewaltigungen und Entführungen. Amnesty International und andere haben diese Zustände eindruckvoll dokumentiert. Inzwischen sind gleichermaßen die Taliban, zunächst auch als Garanten der Einheit des Landes akzeptiert, weitgehend diskreditiert. Kulturelle Ignoranz, die "Arabisierung" durch den zunehmenden Rückgriff auf islamistische - Söldner, die barbarische pseudo-religiöse Diktatur, die Unfähigkeit zu jeder Art von Entwicklung, die in allen Bereichen zutage tretende Menschenverachtung, hier insbesondere die beispiellose Unterdrückung der Frauen, haben dazu geführt, dass sich die Afghanen Befreiung von dieser Herrschaft wünschen. Daher unsere Appell an die freie Welt,
über eine politische Lösung des Afghanistan- Konflikts ernsthaft nach
zudenken. Der afghanischen Bevölkerung soll die Möglichkeit gegeben werden,
ihre Stimme zu erheben, um ihre Schicksal selbst zu bestimmen.
Neue Probleme für afghanische Flüchtlinge in PakistanIn den vergangenen Monaten sind die afghanischen Flüchtlinge in Pakistan mit neuen Problemen konfrontiert worden. Die zwei gravierendsten dieser Probleme sind die geplante Auflösung des Nasser-Bagh- Flüchtlingscamps und die angekündigte Absicht der pakistanischen Behörden hunderttausend von Flüchtlingen gewaltsam zurück nach Afghanistan abzuschieben. Momentan leben ca. 50.000 Flüchtlinge in dem Nasser-Bagh-Flüchtlingscamp. Die Behörden der NWFP (North West Fronier Province) beabsichtigen das Nasser-Bagh-Flüchlingscamp zu zerstören und auf dem Gebiet ein Hausprojekt durchzuführen. Dadurch würden die 50.000 Flüchtlinge obdachlos werden. Obwohl die Pläne für das Projekt des Häuserbaus auf dem Gebiet des Camps schon lange bekannt und vorbereitet worden sind, haben die Behörden der NWFP nichts unternommen, um den Flüchtlingen ein neuen Platz zu suchen, wo sie bleiben können, wenn ihre Häuser zerstört worden sind. Die Gleichgültigkeit, mit denen die NWFP Behörden der drohenden Obdachlosigkeit der afghanischen Flüchtlinge begegnen, hat eine sehr schmerzhafte Situation für die betroffenen Flüchtlinge hinterlassen. Ein größeres Problem, dass alle afghanischen Flüchtlinge in Pakistan betrifft, ist die Absicht der pakistanischen Behörden eine hohe Anzahl der afghanischen Flüchtlinge wieder nach Afghanistan umkehren zu lassen. Die pakistanischen Behörden haben mitgeteilt, dass sie alle afghanischen Flüchtlinge aus dem Land abschieben wollen, die nicht legal nach Pakistan gekommen sind. Obwohl das Kriterium für "legale" und "illegale" Flucht nach Pakistan nicht klar abzustecken ist, haben einige pakistanische Beamten die Meinung geäußert, dass diejenigen Flüchtlinge, die Pakistan vor dem Jahre 1995 als Zufluchtsort aufgesucht haben als "legale" Flüchtlinge anzusehen seien, während die Flüchtlinge die nach 1995 nach Pakistan geflüchtet sind "illegale" Flüchtlinge seien. Dieses Kriterium ist nicht nur unfair, sondern auch unnütz. Eine hohe Anzahl an Flüchtlingen, die in Kabul gewohnt haben sind zwischen 1992 und 1995 nach Pakistan geflüchtet. Die meisten dieser Flüchtlinge sind nicht bei der UNHCR oder den pakistanischen Behörden registriert. Bis vor kurzem war die pakistanische Grenze offen für Afghanen; Flüchtlinge aus Afghanistan, die Pakistan betraten, waren nicht verpflichtet bei einer Behörde sich zu registrieren. Folglich ist es extrem schwer für afghanische Flüchtlinge das Datum ihres Einzuges nach Pakistan nachzuweisen. Solch ein unnutzes Kriterium ermöglicht nur korrupten Beamten Bestechungsgeld von denen zu erhalten, die es sich leisten können und diejenigen Flüchtlinge, die es sich nicht leisten zu bezahlen, zu quälen. Die Absicht der pakistanischen Behörden die "illegalen" Flüchtlinge zurück nach Afghanistan abzuschieben hat ein großes Unsicherheitsgefühl innerhalb aller Flüchtlinge in Pakistan erweckt. Jeden Tag nimmt die pakistanische Polizei Hunderte von afghanischen Flüchtlingen in Haft oder vertreibt sie gewaltsam aus den Gebieten. Gewöhnlich wissen die Familien der Flüchtlinge, die verhaftet oder vertrieben worden sind, tagelang nicht über ihr Verbleiben; es wird berichtet das es Hinweise dafür gibt, dass einige Flüchtlinge in der Haft durch die pakistanischen Sicherheitskräfte umgekommen sind. Das bisherige Maß, das von den
pakistanischen Behörden gegen die afghanischen Flüchtlinge angewendet
worden ist, ist nicht nur unfair, sondern es ist ebenfalls auch gewalttätig,
vor allem wenn man frühere Verordnungen der pakistanischen Behörden betrachtet.
Es ist eindeutig, dass die Afghanen wegen dem Krieg in Afghanistan Zuflucht
in Pakistan gesucht haben. Afghanen, die in Pakistan leben sind keine
Wirtschaftsflüchtlinge. Die ersten afghanischen Flüchtlinge kamen wegen
der kommunistischen Machtübernahme 1978 nach Pakistan, danach wegen der
sowjetischen Invasion und jetzt wegen dem andauernden Bürgerkrieg. Seit
1980 haben die meisten internationalen Resolutionen in Betracht mit der
Lage in Afghanistan darauf bestanden, dass Flüchtlinge nicht gewaltsam
nach Afghanistan abgeschoben werden sollen; Flüchtlinge sollen zur Rückkehr
nach Afghanistan ermutigt werden wenn der Frieden in das Land gekehrt
ist und der Wiederaufbau beginnt. Der Krieg wird weiter geführt in Afghanistan. Die Taliban Administration leidet so sehr an der starken internationalen Isolation, dass es in Afghanistan kein Wiederaufbau gibt. Afghanische Flüchtlinge in Pakistan haben keine Wohnungen in Afghanistan. Wenn sie dennoch gewaltsam zur Rückkehr nach Afghanistan gezwungen werden, werden sie die gleiche Tragödie erleiden, wie sie die Flüchtlinge aus dem Jalozi Camp und die Flüchtlingscamps aus Herat erlebt haben. Wir fordern die pakistanischen Behörden auf: die islamischen und humanitären Normen zu befolgen und dem Leiden der afghanischen Flüchtlinge ein Ende zu bereiten; ein anderen Ort zu ernennen der vorteilhaft für Errichtung des Camps sein könnte, das sie vorhaben zu zerstören; ein erneuten Vorfall der Tragödie von Jalozi durch behutsame Maßnahmen der Behandlung von Flüchtlingen vorzubeugen; und nach einer Lösung des Flüchtlingsproblems zu suchen, dass ein umfassenden Friedensplan beinhaltet, dass beides, internationale und nationale Unterstützung, bekommt. |
|
|