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Ghulam Mohammad Farhad 1899 - 1984 erster Vorsitzende der ASDP
1939 hat er einen zweiten afghanischen Staudamm (Serobi)
mit deutschen Turbinen ausgerüstet.
Papa
Gulam" -ein afghanisches Schicksal
Dr. Hans Walter Berg, Nov.1979 Vor einigen Wochen wurde aus der afghanischen Hauptstadt gemeldet,
dass der frühere Oberbürgermeister von Kabul, Gulam Mohamed Farhad, verhaftet
worden sei, weil er als Haupt einer von Ausland unterstützten Verschwörung
rechtsgesinnter Nationalisten einen Putsch gegen das Regime des gegenwärtiger
Machthabers Hafizullah Amin vorbereitet habe. Aus diplomatischen Kreisen
in Kabul verlautet der eigentliche Grund für die Verhaftung
Farhads sei gewesen, dass er sich geweigert habe, mit dem Regierungs-Komitee
zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung zusammenzuarbeiten. Nachdem sich
hinter Farhad die Gefängnistore geschlossen haben, hat niemand wieder
von ihm gehört, und da politische Gefangene heute in Afghanistan ohne
Gerichtsverfahren in Haft gehalten oder exekutiert werden, kann man kaum
mit einer Klärung der gegen den ehemaligen Oberbürgermeister erhobenen
Vorwürfe und Anklagen rechnen» Der 76-jährige Gulam Mohamed Farhad, der nach dem 1. Weltkrieg in München zum Diplomingenieur ausgebildet wurde, war und ist eine legendere Figur der afghanischen Politik. Seine Lebensspanne umfasst ein dreiviertel Jahrhundert stürmischer Geschichte des zentralasiatischen Berglandes, die Regierungszeit des reformfreudigen und deutschfreundlichen Königs Amanullah dessen gewaltsamen Sturz und die blutige islamische Gegenreformation unter Batsche Saquau", dem Sohn des Wasserträgers", die Entwicklung einer konstitutionellen Monarchie, ihre Umwandlung in eine "Islamische Republik" und schließlich die Proklamation der kommunistischen "Volksrepublik".
In all seinem Funktionen hat sich Farhad als unbestechlicher kompromisslos ehrlicher und tapferer Patriot erwiesen, als ein Reformator, der immer den technischen mit dem sozialen Fortschritt verbinden wollte und der sich bei aller Aufgeschlossenheit gegenüber westlichen Gedankengut eine tiefe islamische Frömmigkeit bewahrte Seine ungewöhnliche Popularität verdankte der allgemein als "Papa
Gulam" bekannte Politiker seiner väterlichen Fürsorge für seine Mitmenschen.
Er selber lebte in ,den bescheidensten Verhältnissen gab. Neunzehntel
seines Einkommens für die Bedürftigen aus, gönnte sich als Dienstfahrzeug
des Oberbürgermeisters und Generalpräsidenten nur ein Fahrrad und meistens
zu Fuß ins Rathaus. Er war stets auch für die ärmsten seiner Landsleute zu sprechen und
wurde von Ihnen wegen seiner tausendfach bewiesenen Hilfsbereitschaft
wie ein Heiliger verehrt. Auch die neuen kommunistischen Machthaber Afghanistans
behaupten, sie wollten nichts anders, als die Ausbeutung des Menschen
durch den Menschen beenden, aber von ihnen wagt keiner zu Fuß die Straßen
Kabul zu gehen, sondern sie trauen sich nur unter schwersten militärischen
Schutz an die Öffentlichkeit. Sie wissen, wie sehr sie vom Volk gehasst
worden, und vielleicht haben sie deshalb in dem krampfhaften Bemühen um
eine breiten Basis versucht, die Unterschrift eines so populären Mannes
wie "Papa Gulam unter die neue Verfassung zu erhalten. Damit
hätte man zugleich der Gefahr begegnen können, dass Gulam Mohamed Farhad
zu einer nationalen Führungsfigur geworden wäre, die den aufständischen
moslemischen Befreiungskämpfern bis heute fehlt. Als der greise standhafte
Politiker der Amin-Regierung die Zusammenarbeit verweigerte, erklärte
man ihn kurzerhand zum "Verräter" und ließ ihn wie viele tausend
andere afghanische Patrioten im Gefängnis verschwinden. Als ich "Papa Gulam" zum letzten Mal traf nach dem kommunistischen
Putsch im April 1978 - hatte er sich längst aus der aktiven Politik zurückgezogen
und lebte in einem kleinen Häuschen der Altstadt. Er sagte: "Ich
habe seit meines Lebens unter Politik immer nur Hilfe für den Menschen
verstanden und dabei auf den lieben Herrgott vertraut. Die gottlosen Unmenschen,
die jetzt in Kabul regieren, werden bestimmt nicht die Hilfe des Allmächtigen
erhalten". Stattdessen kann sich die Amin-Regierung
vorläufig noch auf die Hilfe der Sowjetunion verlassen, aber ob
das ausreicht, die gottesfürchtigen, stolzen und freiheitsliebenden Afghanen
in gehorsame Untertanen einer kommunistischen Diktatur zu verwandeln,
muss bezweifelt werden. Männer wie "Papa Gulam" gehen nicht
in die Knie, sondern sterben lieber erhobenen Hauptes.
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