Pressenotizen:
Frauenorganisation der ASDP wieder aktiv
Die Frauenorganisation der afghanischen Sozialdemokratischen
Partei nahm am 4. Juni 2003 offiziell ihre Arbeit in Kabul auf.
Zu der Eröffnungsveranstaltung hatten 80 Aktivistinnen der
Partei aus verschiedenen afghanischen Provinzen eingeladen. Die
Veranstaltung fand in der Zentrale der Afghanischen Sozialdemokratischen
Partei statt, wo die Frauenorganisation ein selbständiges
Büro hat.
An der Veranstaltung nahmen auch der Parteivorsitzende Prof. Dr.
Anwar Ahady, Generalsekretär der Partei, Aziz Ahmad Asef
und einige Vorstandmitglieder der Partei teil. Ahady sprach einige
Worte über die Menschen- insbesondere die Frauenrechte und
stellte heraus, dass sich die ASDP seit ihrer Gründung 1966
stark um diese bemüht. Er betonte in seiner Rede, dass diese
Partei dafür eintritt, dass Frauen der Zugang zu Bildung,
Arbeit und Politik gleichberechtigt gewährt wird.
Eingeladen waren auch Frauenaktivistinnen wie Fatima Geilani,
Mitglied der Verfassungskommission, Frau Tajwar Kakar, stellv.
Frauenministerin, Frau Safia Sediqi, Frauenaktivistin und Dichterin,
Habibullah Rafi,Menschenrechtaktivist und Schriftsteller sowie
Prof. Rassul Amin, ehemaliger Erziehungsminister.
Nach dem Sturz der Monarchie am 17. Juli 1973 waren
alle politischen Aktivitäten in Afghanistan verboten worden.
Daher musste die Frauenorganisation der ASDP ihre Arbeit im Untergrund
fortsetzen. Eine Verfolgung der Parteiaktivistinnen begann erst
nach der Machtübernahme der Kommunisten im April 1978. Mehrere
Parteiaktivistinnen wurden verhaft und ins Exil gezwungen. Der
gemeinsame Putsch der Kommunisten und islamischen Fundamentalisten
(heutige Nordallianz) gegen den UN- Friedensplan im April 1992
verschlimmerte die Situation der Frauen im allgemeinen und der
politisch aktiven im besonderen. Während der Herrschaft der
Taliban waren Frauen unbeschreiblichen Repressalien ausgesetzt.
Das Bonner Abkommen und die Präsenz der internationalen Truppen
ermöglichen mittlerweile begrenzte politische Aktivitäten
in Kabul.
Die Frauenorganisation der afghanischen Sozialdemokraten nutzte
die Gunst der Stunde und nahm ihrer Aktivitäten nach 30 jährigem
Verbot wieder auf.
Demonstration gegen die Einmischung der Nachbarländer
und für die Integrität Afghanistans in Kabul
Die Stadt Kabul war im Juli dieses Jahres
Schauplatz mehrerer Demonstrationen. Anlass für diese
Demonstrationen waren Grenzverletzungen seitens der pakistanischer
Armee.
Am 3. Juli 2003 folgten mehrere tausend Menschen dem Aufruf
der afghanischen Sozialdemokratischen Partei zu einer
Protestdemonstration gegen die Verletzung der afghanischen
"Grenze" seitens der pakistanischen Truppen.
Pakistan versucht, den Kampf gegen den Terror für
eigene Zwecke zu missbrauchen und die von Afghanistan
nie anerkannten Grenzgebiete (Durand-Linie) zu penetrieren.
Die pakistanischen Truppen haben in den Provinzen Nangarhar
und Kunar mehrmals die Grenze überschritten und sind
in das afghanische Territorium einmarschiert.
An der Demonstration nahmen Studentinnen und Studenten
der Universität Kabul und Schülerinnen und Schüler
der Kabuler Schulen sowie andere Sympathisanten der ASDP
teil.
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Zur Demonstration sprachen mehrere führende
Repräsentanten der Partei, darunter der Parteivorsitzende
und Zentralbankpräsident, Prof. Dr. Anwar-ul-Haq
Ahady und der Ehrenvorsitzende der Partei Dr. M. Amin
Wakman. Der Demonstrationsverlauf war friedlich.
Die wichtigsten Punkte in der Resolution waren u.a.:
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Das afghanische Volk beabsichtigt freundliche
Beziehungen mit seinen Nachbarländern; dennoch
wird jedes Stück Land gegen jegliche ausländische
Aggression verteidigt
-
Wir warnen alle Mächte, die afghanische
Krise nicht für Eigeninteressen auszunutzen
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The statement of Afghan Social Democratic Party (Afghan Mellat)
about The latest Pakistani invasion
The Pakistani army has begun a series of military
operations in Azad Qabael (Noman Land, non militarised region
between Pakistan and Afghanistan) and parts of Nangarhar and Kunar
provinces.
The people of Afghanistan can not remain indifferent about these
operations. We have therefore gathered in thousands in Kabul city
to issue the following statement about the Pakistani military
operations
-
We are strongly condemning the Pakistani military
operation in parts of eastern provinces of Afghanistan during
the last few days.
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The people of Afghanistan wants friendly relations
with the neighbours but will strongly defend each and every
part of his country against any invasion
-
We are strongly asking Pakistan to pull his
intruded troops out to their early positions and in the mean
time ask other foreign countries not to do business over Afghanistan.
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We are against terrorism and are ready to take
part in the struggle against terrorism. But we can not tolerate
any invasion on our people and our soil on a pretext of preventing
terrorism.
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We are warning all powers not to underestimate
our defence capability and take advantage of the Afghan crisis
and invade our country.
-
The Afghan government is responsible for defending
each and every part of the country.
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We are asking the whole of Afghan Nation to
unite and strengthen National Unity again foreign military threats
and to strongly defend the country.
Kabul, July 8, 2003
Armee ohne Soldaten
Afghanistans Kriegsherren blockieren Aufbau der Streitkräfte
VON ELKE WINDISCH. MOSKAU
Das Ziel war hoch gesteckt: Afghanistan sollte eine nationale
Armee bekommen, die innerhalb eines Jahres einsatzfähig sein
sollte. Das gab Interimspräsident Hamid Karsai im Dezember
vergangenen Jahres bei der Petersburger Konferenz bekannt Der
Aufbau nationaler Streitkräfte scheiterte jedoch schon mehrmals
am Widerstand der Provinzfürsten, die sich - nicht zuletzt
zusammen mit Washingtons Soldaten im Endkampf gegen die Taliban
- Privatarmeen von bis zu 30 000 Mann zulegten. Die gelten als
eine sichere Basis beim zu erwartenden Machtgerangel vor den für
Mitte kommenden Jahres geplanten Wahlen. Mit ihren Privatarmeen
verfolgen die Kriegsherren aber auch handfeste kommerzielle Interessen:
Deren Straßenposten sichern den illegalen Handel mit den
Nachbarstaaten, vor allem Iran, Turkmenien und Pakistan. Allein
in die Kassen von Ismail Khan, der Gouverneur von Herat, spülen
die Umgehung von Einfuhrzöllen und Mautgebühren für
den sicheren Transport zwischen 100000 und 300000 US-Dollar jährlich.
Ein Treffen mit einflussreichen Warlords, bei dem es um die Eingliederung
von Einheiten aus den Privatarmeen in die regulären Streitkräfte
und die Entwaffnung der überzähligen ging, endete vor
kurzem ergebnislos. Khan, der 25 000 Mann unter Waffen hat sich
"Emir des Südwestens" nennen lässt und seiner
Verachtung für Karsai keinen Hehl macht, war zu dem Treffen
gar nicht erst erschienen. Ebenso sein Geschäftspartner und
Gouverneurskollege aus der einstigen Taliban-Hochburg Kandahar,
Gul Agha Shirsai, einer der einflussreichsten Führer der
paschtunischen Bevölkerungsmehrheit und glühender Anhänger
von Exkönig Sahir Schah. Abwesend war auch Usbeken-General
Abdurraschid Dostum, nominell Vizeverteidigungsminister, vor allem
aber souveräner Herrscher des Nordens mit Zentrum Masar-i-Scharif,
wo seine Milizen sich heftige Kämpfe mit Truppen von Expräsident
Burhanuddin Rabbani liefern.
Zentralbankchef Anwar Ulhaq Ahadi spricht von einem regelrechten
Teufelskreis: Nur mit einer regulären multi-ethnischen Armee
könne die Regierung sich auf dem flachen Lande durchsetzen
und die Gouverneure zu Abgaben an den Staatshaushalt zwingen.
Doch der Aufbau eben dieser Einheiten scheitert nicht zuletzt
an leeren Kassen. Nach wie vor bilden Kontingente der einstigen
Nordallianz das Rückgrat der afghanischen Armee. Formell
sind die Soldaten auf Karsai als Oberbefehlshaber vereidigt -
im Ernstfall wären sie jedoch wohl eher auf Karsais Gegenspieler.
Verteidigungsminister Fahim, fixiert. Die "neue" Armee
besteht bisher aus drei von den Briten gedrillten Bataillonen.
Zwar sollen im nächsten Jahr 12000 weitere Kämpfer einsatzbereit
und ausgerüstet sein. Nach Meinung von Experten braucht die
Regierung jedoch ein Minimum von 70 000 Soldaten, um sich behaupten
zu können - zumal sich die Taliban neu formieren und zunehmend
Bündnisse mit jenen eingehen, die im Anti-Terror-Kampf ihre
Gegner waren: Paschtunen-führer, die immer vehementer gegen
Karsai rebellieren, in dessen Kabinett die eigentliche Macht in
den Händen der tadschikischen Minderheit liegt.
Quelle: Der Tagesspiegel, 2. Mai 2003
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